Was mir wichtig ist? Sei, wie Du sein willst!

31.10.2015

So, jetzt kommt Sie, die Frau mit den Antworten auf alle Fragen. Nur zu, fragt mich, ich weiß Bescheid! *trommelwirbel*

 

Hach, schön wär's. Im Ernst, wenn Du so jemanden kennst, der weiß, wie das so klappt mit der Vereinbarkeit, der Work-Life-Balance und so, dann bitte, bitte, verrat's mir! Ich bin mir sicher, ein Schema F hätte jede von uns gern.

 

Aber so einfach ist das Ganze nicht. Und doch kein Grund, aufzugeben. Denn Hilfe und Unterstützung gibt es trotzdem, um den Spagat zwischen Familie und Beruf hinzubekommen ohne dabei irgendwann auf dem Zahnfleisch zu gehen. Der Schlüssel ist, herauszufinden, was Dir, was uns, wirklich wichtig ist. 

 

Wie wollen wir leben? Was motiviert uns? Was sollen unsere Kinder in 20 Jahren einmal über uns sagen? Über uns denken? Antworten auf diese Fragen, die sich gut und richtig anfühlen sind unser Wegweiser. Und genau darum betreibe ich diese Webseite und diesen Blog: Um andere Frauen darin zu ermutigen und zu unterstützen, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen. Selbstbestimmt und ohne das Gefühl, sich rechtfertigen oder entschuldigen zu müssen.

 

Du musst wissen, ich war schon immer eine sehr selbstständige, unabhängige Person. Das ist wohl teilweise Veranlagung aber auch Resultat der Erziehung, die ich genossen habe. Und ich bin und war immer sehr stolz darauf. Ich habe eine solide Ausbildung und früh mein eigenes Geld verdient. Ich stand schon als junge Frau auf eigenen Füßen, war es gewohnt Verantwortung zu übernehmen und habe meine eigenen Entscheidungen getroffen.

 

Und dann kam mein Sohn. Nein, erst mal die Schwangerschaft. Und da war es mit der Selbstbestimmung plötzlich vorbei. Andere wollten mir erklären, wie ich schwanger zu sein hatte. Was durfte ich essen, trinken, tun und vor allem, was durfte ich nun alles nicht mehr tun. Regelmäßig muss man auf einmal beim Arzt antanzen, wird untersucht, gewogen, gemessen und beurteilt: macht man das alles richtig mit dem schwangersein? Sonst wird man direkt mit neuen Ratschlägen versorgt. 

Dazu kommt, dass der eigene Körper plötzlich scheinbar macht, was er will. Ich habe zum Beispiel in beiden Schwangeschaften unter furchtbarer Übelkeit und Erbrechen gelitten. Nicht, wie so häufig, nur in den ersten Wochen und auch schon gar nicht unter morgenlicher Übelkeit. Sondern häufiges Erbrechen, morgens, mittags, abends und das die ganzen 9 Monate lang. Auf einmal war ich überhaupt nicht mehr Herrin der Lage, sondern fühlte mich von allen Seiten, von außen und innen, fremdbestimmt und kontrolliert.

 

Und sobald das Baby auf der Welt ist, geht es mit der Einmischung weiter. Diskussionen um das Stillen oder nicht, tragen oder Kinderwagen, abhalten oder Einwegwindeln werden geradezu dogmatisch geführt. Mütter steht unter Beobachtung! Die aufgeregte alte Dame, die mir auf der Straße hinterher läuft und ruft, das Kind müsse bei der Kälte aber doch eine Mütze aufsetzen, ist da nur die Spitze des Eisbergs. Bei all den gut gemeinten Ratschlagen, der Fremdbestimmung und denn unzähligen Meinungen ist es schwer, das Gefühl für sich selbst nicht zu verlieren. Der Rat "Hör auf Deinen Bauch" ist gut gemeint, aber was, wenn ich gar nicht mehr erspüren kann, was denn mein Bauch, mein ICH eigentlich will.

 

Und so schlage ich den Bogen zu diesem Vereinbarkeits-Blog: denn insbesondere die Frage, ob Frau mit Kind arbeitet, arbeiten will, arbeiten muss, arbeiten darf, ist scheinbar keine private, persönliche Entscheidung, sondern quasi öffentliches Kulturgut.

 

Wie ich mich entscheide hat - will man den Medien und der öffentlichen Meinung glauben - direkte Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der Lebensbedingungen für die gesamte weibliche Bevölkerung in Deutschland, womöglich in der ganzen Welt.

 

Bleibt eine gut ausgebildete Frau nach der Geburt ihrer Kinder erst einmal eine Zeit lang zuhause dann ist das a) eine Verschwendung von Ressourcen und b) ein Verrat an den Mühen der Emanzipationsbewegung der letzten Jahrzehnte. Anders herum setzt eine Frau, die kurz nach der Geburt ihres Kindes auch wieder ihrem Beruf nachgeht andere junge Mütter unter Druck, ist sowieso egoistisch und karrieregeil und eine Rabenmutter. Wozu hat die überhaupt Kinder gekriegt.

 

Die Medien nennen dies "Mommy-Wars". Es tobt ein Krieg unter Müttern. Aber  nicht nur das, oft tobt ein Krieg IN den Müttern. Sie sind hin- und hergerissen zwischen den Extremen. Reiben sich auf an Ansprüchen von außen und verlieren das Gespür dafür, was sie eigentlich selber wollen. 

  

Und genau darum ist mir das Thema Vereinbarkeit hier im Blog, als Coach und als Frau und Mutter sowieso, so wichtig. Weil es nicht darum geht, ob und wie wir Familie und Kinder unter einen Hut kriegen, sondern darum, dass Frauen, auch nachdem sie Kinder in die Welt gesetzt haben, ein Recht auf Selbstbestimmung haben und darauf, ihr Leben genau so zu leben und zu gestalten, wie sie es für richtig halten.

Nicht mehr und nicht weniger.  

 

Foto: Felicitas von Imhoff 2016

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