Berufstätige Eltern - So bleibt die Partnerschaft im Vereinbarkeits-Spagat nicht auf der Strecke


Ach, und einen Partner hab ich auch noch!

Diesen Satz sagte vor kurzem eine Mutter in der Vorstellungsrunde in einem meiner Kurse. Wir sprachen über unsere persönlichen und beruflichen Hintergründe, die verschiedenen Rollen, die wir im Alltag ausfüllen und die vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen, die im Alltag auf uns einprasseln.

Und als sie schon fast fertig war, fiel dann dieser Satz. Viele in der Runde mussten lachen. Verständnisvoll: "Ja, im Alltag als berufstätige Mutter kommt die Partnerschaft oft zu kurz."


Mit dem Kind kommt die Beziehungskrise

Diese Erfahrung kenne ich nicht nur von meinen Klientinnen, sondern auch ganz persönlich. Auch meinem Mann und mir haben unsere Kinder irgendwann indirekt eine Beziehungskrise beschert. Und damit stehen wir nicht alleine da.

Denn während es statistisch gesehen nicht belegbar ist, dass sich Paar mit Kindern öfter trennen als Paare ohne Kinder, oder Trennungen gerade dann erfolgen, wenn ein Kind in die Partnerschaft geboren wird, so ist es doch aus zahlreichen Studien erwiesen, dass etwa 75% (!!) aller Paare eine ersthafte Beziehungskrise erleben, wenn Kinder ins Spiel kommen. Und dabei ist eine stabile und belastbare Partnerschaft ist ein so wichtiger Eckpfeiler für eine gelingende Vereinbarkeit von Familie und Beruf.


Woran liegt denn aber diese Krisenanfälligkeit? Natürlich sind die persönlichen Gründe in jeder Partnerschaft individuell. Aber es gibt auch Tendenzen und Muster, die mir immer wieder begegnen. Und einige davon kenne ich am eigenen Leib!


Alle müssen nach der Geburt eines Kindes ihren Platz neu finden

Kommen Kinder in eine Beziehung, dann wird zunächst erst einmal alles neu durchgemischt. Alle - Mama, Papa und Kind - müssen in dem neuen Gefüge ihren Platz finden. Und Jede/Jeder von uns muss dann auch erstmal ausprobieren, wer bin ich denn eigentlich in meiner neuen Elternrolle. Und so rückt das Kind in den Mittelpunkt und die Beziehung aus dem Fokus. Soweit so normal und auch noch völlig unproblematisch.


Die neue Situation weckt Überforderung - und der Frust entlädt sich am Partner

Aber irgendwann kommt der Wunsch nach Partnerschaft zurück. Man stellt vielleicht fest, dass man irgendwie ganz anders miteinander lebt als vorher. Dass man weniger Zeit hat füreinander. Das die Zärtlichkeiten und kleinen Gesten fehlen. Die Sexualität schläft ein -die Neugier aufeinander ebenso. Angeregte und anregende Gespräche sind eine Seltenheit, die Kommunikation ist eher dominiert von Organisatorischem oder Details rund ums Kind.


Und wenn sich dann trotzdem Gefühle für den Partner wieder melden, dann sind es meist die falschen 😉 Statt Lust, Neugierde und Zärtlichkeit sind plötzlich Frust, Unverständnis und gegenseitige Vorwürfe dominierend.


Als Paar steckt man in einer Sackgasse und unter Umständen in einer ernsthaften Krise.

Die gute Nachricht: Es geht so vielen so. Die noch bessere Nachricht: Diese Situation lässt sich gut lösen. Hier folgen deshalb jetzt Lösungsideen für die 3 häufigsten Herausforderungen von berufstätigen Paaren mit Kindern.



1. Wir haben zu wenig Zeit füreinander!

Der Klassiker, oder? In einem fordernden Alltag mit Beruf und Kindern gibt es 1001 Kleinigkeit zu Erledigen. Und immer zu wenig Zeit. Viel zu leicht streichen wir deshalb dort, wo es am einfachsten scheint: Bei der Partnerschaft. Statt den Abend gemütlich gemeinsam zu verbringen, muss halt noch schnell dieser Bericht fertig geschrieben werden. Oder einer muss sehr lange ein Kind in den Schlaf begleiten und als man sich dann endlich aus dem Kinderzimmer schleicht, ist der Partner schon auf der Couch eingeschlafen. Zu viele Ablenkungen und häufige große Erschöpfung führt dazu, dass viele Paare klagen: Wir haben viel zu wenig Zeit füreinander.


Die Lösung für dieses Problem ist so einfach wie effektiv: Zeit füreinander kommt nicht einfach so. Die passiert nicht einfach. Zeit füreinander muss man sich nehmen. Man muss sie planen. Mit Termin im Kalender. Und dann am besten mit Babysitter und raus aus dem Haus. Zeit füreinander muss man organisieren. Vielleicht Konzertkarten oder eine Reservierung im Lieblingsrestaurant. Das wirkt zwar zunächst total unromantisch, aber nur Gelegenheit schafft Diebe. Das heißt nur, wenn wir überhaupt eine Gelegenheit für Zweisamkeit schaffen, hat die Romantik eine Chance, sich auch dazu zu gesellen.


Wir setzen dies übrigens inzwischen ganz konsequent um, weil wir gemerkt haben, wie gut uns diese gezielte Zeit zu zweit tut. Alle 2 Wochen haben wir einen Sitter und gehen aus. Und dies hat sich als ein wahres Geschenk für unsere Beziehung herausgestellt.


Ideal ist es übrigens, wenn man sich in der Organisation der Paar-Abende abwechselt. Dann kann man sich auch einmal gegenseitig nett überraschen. ❤️


2. Es gibt ständig Streit!

Versuchen wir es zuerst positiv zu sehen: Ihr streitet, ja, aber immerhin redet ihr noch miteinander 😉

Tatsächlich haben auch wir als Paar eine Phase erlebt, in der wir kaum normale Gespräche geführt haben, statt dessen wurde entweder höchst effizient der Alltag organisiert oder wir stritten uns. Gern auch laut und emotional.

Die Gründe dafür sind vielfältig und laufen doch oft auf einen Nenner hinaus: Es fehlt das Gefühl, gesehen, wahrgenommen und respektiert zu werden.


Meist beginnt dies in der Babyzeit, wenn ein Elternteil in Elternzeit ist und daheim mit dem Baby während der andere wieder in die weite Welt hinausgeht. Oder ins Büro. Da kommt dann nicht selten Eifersucht ins Spiel. Es entsteht Unverständnis für das Leben des anderen. Man fühlt sich allein gelassen, nicht gesehen und hat das Gefühl, das Leben des anderen sei manchmal so viel schöner oder einfacher als das eigene. Dies gilt übrigens für beide Seiten! Aus diesem "Du verstehst meine Welt nicht" entstehen die meisten Streits. Fast nie geht es um das Streitthema an sich "Du hast wieder den Müll nicht runter gebracht" - sondern in der Regel um das Fehlen von Wertschätzung und Anerkennung füreinander.


Hier können die Grundsätze aus der Gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg wahre Wunder bewirken. Darüber könnte man eigene seitenlange Artikel schreiben, aber kurz gefasst gelten folgende Regeln:

1. Bleibe ganz bei dir und achte darauf, wie du dich jetzt gerade fühlst (wütend, traurig, frustriert, einsam, unverstanden, hilflos)

2. Benenne dieses Gefühl deinem Partner gegenüber: Wenn du den Müll nicht runterträgst fühle ich mich ignoriert, missachtet und unverstanden.

3. Vermeide falschen Schlüsse oder Unterstellungen. Also kein "Du willst mich ja nur ärgern, darum lässt du den Müll stehen".

4. Frage offen und neugierig, wie ihr die Situation gemeinsam lösen könnt: Was brauchst du, damit du mir mit dem Müll besser helfen kannst oder magst.


Auf diese Art zu kommunizieren fühlt sich am Anfang oft ungewohnt an. Aber es lohnt sich, das auszuprobieren. Vor allem erreicht ihr, dass ihr aus eigefahrenen Streitmustern ausbrecht und euch neu aufeinander einstellen müsst. Und das ist immer der notwendige Anfang von Veränderung.

3. "Immer muss ich alles machen!" - Der Streit um den Haushalt

"Immer muss ich alles machen" und "Ich fühle mich in dieser Familie wie eine Dienstmagd!" Das sind Sätze, die ich eine zeitlang quasi ständig gesagt habe. Ich fühlte mich von all den alltäglichen Aufgaben schlichtweg überfordert. Und vor allem vom Rest der Familie schamlos ausgenutzt.


Tatsächlich berichten viele Paare davon, dass sie die Aufgabenverteilung in Haushalt und Care-Arbeit als ungleich verteilt empfinden, wobei es meist die Frauen sind, die auch dann noch den Löwenanteil der Aufgaben stemmen, wenn sie selbst ebenfalls berufstätig sind. Das führt zu Unzufriedenheit, Überforderung und schließlich zu Frust in der Partnerschaft.


Und meist schlittern die Paare in diese Schieflage eher unabsichtlich hinein. "Das hat sich irgendwie so entwickelt" ist ein Satz, den ich auch von meinen Klientinnen häufig höre. Oft geht er weiter mit "Geplant hatten wir das eigentlich ganz anders".


Um aus dieser Ungleichverteilung herauszukommen, gilt es, sich gemeinsam ganz bewusst zu überlegen, wie man die Aufgabenteilung in Zukunft besser und fairer gestalten möchte.

Ein Ausgangspunkt dafür kann meine Aufgabenliste sein. Ihr könnt diese Liste nutzen, um einmal eine objektive Gesprächsgrundlage zu schaffen. Schaut hin: Wer übernimmt zur Zeit welche Aufgaben? Wie wäre die Aufgabenteilung besser für uns? Die umfangreiche Aufgabenliste und eine genaue Anleitung, um damit zu arbeiten, kannst du hier herunterladen:




Fazit: Eine erfüllende Partnerschaft ist kein Selbstläufer

Nichts was einfach so funktioniert. Nicht zuletzt auch deshalb - und das ist jetzt meine ganz persönliche Überzeugung - weil uns einfach die Vorbilder fehlen. Am Ende sind wir stark geprägt von der Art Partnerschaft, die uns von unseren Eltern vorgelebt wurde und wir übernehmen viele Verhaltensweisen völlig unbewusst.


Und so ist der erste Schritt in Richtung Lösung: Sich gemeinsam bewusst darüber werden, dass die Partnerschaft gerade nicht den Stellenwert hat oder nicht so fair und gleichberechtigt gelebt wird, wie man sich das einst ausmalte. Und dann gemeinsam die Weichen Richtung Verbesserung zu stellen.


Ich wünsche Dir dabei alles Gute!

Herzlich

Deine Christine





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